Unsere Reise nach Rumänien im Mai 2016

TAG 1 UND 2 – DIE ANREISE

Es ist Montag, der 2.5.2016, früh am Abend. Treffpunkt am Parkplatz in Rauenberg bei Heidelberg. Der Sprinter von Melanie und Uwe ist vollgepackt mit Sachspenden für die Hunde unserer Tierschützer. Auch Sylvias SUV ist voll, unser Gepäck passte gerade noch so hinein …. Noch schnell das erste Selfie und los geht es nach Rumänien. Das Ziel – Cristian bei Brasov – ist im Navi eingestellt.
Wir machen noch einen kleinen Umweg über Landshut, wo wir von Sylvias Eltern und Schwester noch einmal mit Wegzehrung versorgt werden …. Kaum sind wir wieder auf der Straße werden Uwe und Melanie von der Polizei gestoppt. Das geht ja gut los! Kurzer Fracht-Check und weiter geht es.
Inzwischen ist es dunkel geworden, was für unsere Fahrt von Vorteil ist. Es ist wenig Verkehr und wir kommen gut durch. Noch schnell ein Bickerl für Österreich gekauft und weiter geht es. Wir kommen super voran. Wien bei Nacht … ein schöner Ausblick. Leider können wir nicht anhalten, denn wir haben noch viel vor und möchten möglichst weit kommen.
Nach mehreren Zwischenstopps kommen wir schließlich doch an unsere Grenzen. Kurz nach 7 Uhr (es ist Dienstag und wir sind mittlerweile in Ungarn) brauchen wir ein bisschen Schlaf und versuchen es uns in den Fahrzeugen gemütlich zu machen … naja ausschlafen ist sicher etwas anderes. Nach 2 Stunden geht es wieder weiter und ca. 11 Uhr erreichen wir schließlich die ungarisch-rumänische Grenze.
Kaum in Rumänien macht Sylvias SUV die erste Bekanntschaft mit den rumänischen Straßengegebenheiten – wir sehen nur noch eine Radkappe fliegen, glücklicherweise auf Bodenhöhe. Die Radkappe zerschreddert und hinterlässt ein paar Spuren am SUV, gottseidank aber sonst nichts passiert.
Wir fahren durch die grenznahen Dörfer und sehen auch schon die ersten Hunde vor den Häusern und auch in Gräben. Auch außer orts streifen vereinzelt Hunde durch die Gegend. Wo wir anhalten können, stoppen wir und verteilen etwas Futter, das von den Hunden dankbar angenommen wird. Allerdings ist uns nicht immer Wohl dabei und wir haben Angst, dass die Hunde auf die Straße laufen und überfahren werden.
In einer Ortschaft unweit von Timisoara sehen wir an einer Bushaltestelle 2 Hunde mit verletzter Pfote. Ein Mann erzählt uns von Welpen. Wir suchen nach ihnen, können sie aber leider nicht finden. Wir hinterlassen Futter und fahren schließlich weiter.
Abends um 21 Uhr sind wir beinahe am Ziel. Andra weiß bereits Bescheid, dass wir im Anmarsch sind. Wir sind nahe Sibiu. Sylvia und ich sehen auf einem großen Parkplatz eines Hotels vor einer Tankstelle Hunde und scheren schnell aus, um sie zu füttern. Uwe und Melanie waren zu weit hinter uns und konnten nicht sehen, dass wir auf den Parkplatz fahren und fahren weiter.
Wir steigen aus und es kommen direkt mehrere Hunde. Auch der Hausmeister des Hotels begrüßt uns. Immerhin er kann Deutsch. So ist es doch etwas einfacher. Er erzählt uns von Welpen und nimmt uns mit auf das Gelände hinter der Tankstelle. Dort finden wir tatsächlich 3 Welpen, ca. 6 Wochen alt. Es waren wohl mehr, aber ein paar wurden wohl mitgenommen. So gerne hätten wir die Hunde direkt mitgenommen, aber noch ging es nicht …. Aber wir versuchen sie zu holen, wenn wir bei Andra oder Raluca einen Platz für sie bekommen.
Inzwischen sind Melanie und Uwe umgedreht und wir treffen uns noch einmal an der Tankstelle, wo uns noch einmal zwei der Hunde begrüßen …. leider müssen wir sie noch zurück lassen.
Kurz vor 22 Uhr kommen wir endlich bei Andra an und werden erst einmal von allen Hunden ausgiebig und lautstark begrüßt. Jeder will der erste sein ! Wir stärken uns noch kurz mit Pizza und dann begleitet uns Andra noch zu unserer Pension, wo uns Giulia, die Inhaberin ganz herzlich willkommen heißt. Ca. 23 Uhr ruft uns schließlich unser Bett.

TAG 3 – BESUCH BEI ANDRA

Die erste Nacht ist vorbei und wir lassen beim Frühstück die Erlebnisse der Anreise Revue passieren. Wir möchten unbedingt den Hunden von der Tankstelle in Sibiu helfen, doch Andra kann sie leider nicht aufnehmen. Raluca möchte jedoch am Freitag einen Fahrer schicken – Chakka!
Für uns geht es erst einmal ein paar Häuser weiter zu Andra. Leider hatte ihr Aslan Probleme und Andra konnte nicht gut schlafen – wie so oft.
Nun wollen wir sie erst einmal aufmuntern. Wir haben jede Menge Spenden dabei. An dieser Stelle auch ganz herzlichen Dank an alle, die uns unterstützt haben und dies alles nun möglich machen!! Nach und nach tragen wir also Körbchen, Decken, Pipi-Unterlagen, Katzen-Kratzbäume, Katzen- und Hundefutter in Andras Garage. Es türmt sich langsam ein kleiner Berg auf. Es ist wirklich viel zusammen gekommen und wir hoffen sehr, dass es Andra zumindest für eine Weile hilft.
Nach einer kleinen Stärkung dürfen wir dann auch die anderen Hunde bei Andra kennenlernen. Neben den eigenen Hunden, die zum Großteil im Haus wohnen, treffen wir nun auch auf die Vermittlungshunde. Sehr angetan hat es uns Fenja, die schwarze Junghündin, die bis dato noch keine Anfrage hatte. Ob es an ihrer Fellfarbe liegt? Oder an dem kürzere Schwänzchen? Oder beides? Es ist so schade und wenn man die Hunde live erlebt, fällt es umso schwerer, zu verstehen, warum für den ein oder anderen keine Anfrage kommt.
Das Regenwetter tut hier sein Übriges. Wir wünschen uns sehr, dass alle Hunde vermittelt werden und in ein schönes Zuhause reisen dürfen. Denn nur so können auch weitere Hunde gerettet werden.
Durch die vielen Hunde ist bei Andra natürlich immer viel los. Die Hunde müssen versorgt werden, sie brauchen Auslauf und es müssen täglich mehrmals die Hinterlassenschaften aufgesammelt werden. Gleichzeitig immer ein Blick auf die Form des Kotes und auf das Verhalten der Hunde. Hustet einer? Ist das Kacka zu dünn? Andra muss ständig alles im Auge behalten. Und auch die kleinen Patienten müssen versorgt und gepeppelt werden, Welpen, die krank waren und noch besonderer Pflege bedürfen.
Eigentlich geht es 24/7 nur um die Hunde, die Versorgung, die Pflege kranker Fellnasen … es kann sich eigentlich keiner vorstellen, wie Andra das alles schafft – jeden Tag, das ganze Jahr!
Zusammen mit Andra gehen wir noch einkaufen und tauschen Euro in Lei. Für die kommenden Tage sind wir dann eingedeckt.
Aufgrund des schlechten Wetters macht es keinen Sinn zur Baustelle zu fahren, wo Andras neues Domizil entstehen soll. Im neuen Haus wird mehr Platz zur Verfügung stehen für alle Hunde und auch für die Katzen. Nun hängt es unter anderem davon ab, wie schnell es mit dem Bau voran geht und wir drücken ganz fest die Daumen, dass es nicht zu lange dauert.
Abends geht es schließlich zum Essen … natürlich auf Rumänisch mit Papanasi (in D würden sie wohl Topfenknödel heißen) zum Nachtisch. Wir sind jedenfalls pappsatt und schon wieder reif fürs Bett. Aber bevor wir uns wieder aufs Ohr hauen, gibt es noch die tägliche Lagebesprechung in der Pension … was wird uns noch alles erwarten?

TAG 4 – KASTRATIONEN UND BESUCH BEI PAMELA

Unser vierter Tag beginnt gleich mit schlechten Nachrichten: Bono, einer von Andras eigenen Hunden, ist krank. Andra ist deshalb bereits in die Klinik vorgefahren, wo wir ohnehin ein paar Kastrationen begleiten wollten.
Wir fahren dennoch zu Andras Haus, wo wir von Schwester Pamela und deren Tochter Sabrina abgeholt werden. Pamela hat noch eine kleine Hündin mit an Bord, die in der Klinik auch untersucht werden soll. Die arme Maus ist völlig verschmutzt, wurde als Kettenhund gehalten und hatte wohl Welpen. Die Kette hing noch um. Irgendwie konnte sie ausbüchsen und lief glücklicherweise Pamela über den Weg. Nun ist sie in Sicherheit.
Während Uwe erst einmal mit Pamela ins Nachbardorf fährt, um dort Hunde abzuholen, sehen wir drei Mädels bei der Untersuchung der Hündin zu. Außerdem können wir die Voruntersuchung der Hunde und Katzen mitverfolgen, die gleich kastriert werden sollen.
Andra versucht in der Gegend um Brasov auch immer wieder Leute zu überzeugen, dass es wichtig ist, die Hunde kastrieren zu lassen. Bei der vorherrschenden Mentalität leider oft sehr schwierig. Zusätzlich fehlt natürlich auch das Geld an allen Ecken und Enden. Umso wichtiger ist es, dass Tierschützer wie Andra bei ihrem Tun unterstützt werden.
Inzwischen sind Pamela und Uwe auch wieder zurück und wir verbringen in der Klinik einige Stündchen, in denen wir auch um den kleinen Bono bangen. Er wurde als ganz kleiner Welpe von Andra gefunden und mit der Flasche aufgezogen. So viel hat er schon durchgemacht. Wir hoffen und drücken die Daumen, dass er wieder gesund wird.
Nachdem alle Kastrationen und Untersuchungen abgeschlossen sind, fahren wir schließlich am Nachmittag noch zu Pamela. Auch sie beherbergt einige der Vermittlungshunde. Unter anderem treffen wir dort auf Bernhardiner Barney, den wir eigentlich am Ende unserer Reise mit nach Deutschland nehmen sollen. Für den üblichen Transporter ist er zu groß … ob er wohl bei uns ins Auto passt???
Es ist schon ein kleiner Koloss, aber trotzdem ein lieber Kerl. Wahnsinn wie auch Sabrina mit ihm umgeht.
Auch Finchen, die mit Hautproblemen zu kämpfen hat, ist hier untergebracht. Sie muss noch zum Tierarzt zur Kontrolle und wo sie regelmäßig ein Bad bekommt für die Haut. Dummerweise hat sich die Maus gekratzt, die Haut entzündet und so kann sie nicht gebadet werden. Also wieder ein kleiner Rückschlag.
So geht es leider mehr oder weniger täglich … es gibt Aufs, aber auch immer wieder Abs. Wir hoffen so sehr, dass die Aufs immer überwiegen. Dies alles zu verkraften ist für uns aber eigentlich unvorstellbar.
Die Zeit verfliegt so schnell! Schon ist wieder Abend. Wir fahren in die Einkaufs-Mall, drehen dort eine kleine Runde in den Geschäften und treffen uns schließlich wieder mit Pamela und Sabrina. Zusammen geht’s nun zum Essen in den Pizza-Hut. Diesmal sind wir am Ende schnell genug und können den Kellner für die Bezahlung noch abfangen. Diese Runde geht auf Animal Souls mit ganz ganz herzlichem Dank an Andra und ihre ganze Familie für die tolle Arbeit.
Zurück in der Pension besprechen wir schon den nächsten Tag. Eigentlich möchte Andra mit uns eine kleine Sightseeing-Tour nach Bran zum Dracula-Schloss machen. Wir stellen auf jeden Fall fest, dass die Tage rasend schnell vergehen …

TAG 5 – ON TOUR IN SINAIA

Es ist Freitag und der letzte Tag, den wir hier bei Andra verbringen. Die Zeit vergeht so schnell. Nach den Regentagen ist nun endlich auch mal die Sonne heraus gekommen und wir verlegen unser Frühstück nach draußen.
Leider gibt es schon wieder schlechte Nachrichten von Andra: Bono muss operiert werden. Wenn wir nur helfen könnten! Für Andra steht auf jeden Fall wieder ein Tag in der Klinik an. Am Nachmittag möchten wir uns mit ihr treffen, um ihr zukünftiges Heim zu sehen. Das heißt uns bleiben noch ein paar Stunden, in denen wir uns alleine beschäftigen wollen.
Bran? Dracula? Neeeeeee! Der Plan steht ganz klar fest: wir möchten etwas bewegen, und zwar in Sachen Tierschutz. Sylvia erzählt uns, dass es auf dem Weg nach Bukarest noch mehr Straßenhunde gibt. Dies wurde in den letzten Tagen auch von Andra schon so bestätigt. Also auf geht es in Richtung Bukarest …. Wir peilen Sinaia an!
Mit ein paar Säcken Futter im Kofferraum machen wir uns auf den Weg. Würde man allein nach der Gegend gehen, würde man sagen, hier ist die Welt in Ordnung. Umgeben von den teils schneebedeckten Bergen der Karpaten, die Häuser sehen gepflegt aus. Je weiter wir in Richtung Sinaia kommen, desto mehr bemerkt man die Ausrichtung auf den Tourismus – Getränkeangebote entlang der Strecke, Geschäfte an den Straßen.
Auf einmal sehen wir einen kleinen Welpen entlang den Häusern laufen. Wir fahren bei einer Parkbucht an die Seite, machen kehrt und halten auf der gegenüber liegenden Seite. Der Welpe ist inzwischen in einen Garten hinein gelaufen. Wir steigen trotzdem aus und schauen, wohin der kleine Hund gelaufen ist als er auch schon wieder aus dem Karten kommt. Eine ältere Frau hatte ihn vertrieben. Sie winkt ab als wir sie ansprechen. Sie hat uns sicher nicht verstanden, aber klar ist, der Hund gehört nicht hierher und kann nicht auf der Straße bleiben. Gottseidank kommt er direkt in Melanies Arme gelaufen. Es ist ein kleines Mädchen, vielleicht 3 Monate alt. Wir nehmen sie mit und halten noch Ausschau, ob wir vielleicht Geschwister oder die Mutter sehen – leider aber nichts. Nun geht es mit der kleinen Hexe an Bord weiter und irgendwie sind wir nach dieser ersten Rettungsaktion gerade geflasht, überwältigt … und vor allem glücklich.
Wir machen einen kurzen Abstecher in den Ort hinein. Es sieht nach Industriegelände aus und gerade als wir eine Wendemöglichkeit suchen, sehen wir einen Hund am Boden liegen. Alle sind erst einmal erstarrt, denn der Hund liegt da als wäre er tot. Dann bemerken wir, dass er noch atmet. Die endgültige Erleichterung kommt als er den Kopf hebt und schließlich aufsteht. Es scheint alles ok. Gott-sei-Dank! Nun holen wir erst einmal Futter. Es kommen noch ein paar weitere Hunde aus ihrem Versteck und ich entdecke einen Hund an der Kette. Auch er soll Futter bekommen. Mehr können wir hier nicht tun.
Wir fahren noch ein Stück weiter und sehen weitere Hunde. Auch hier hinterlassen wir etwas Futter. Ein Mann sieht uns und fotografiert unser Auto. Das Füttern von Straßenhunden ist leider nicht überall erwünscht! Kurze Raucherpause und weiter geht’s.
Nur wenige Kilometer weiter kommt uns ein Hund am Straßenrand entgegen. Wir fahren langsam, da es so aussieht als könnte er womöglich gleich über die Straße laufen. Hat er da etwas im Maul? Oder ist das eine Verletzung? Irgendwas ist da …. Wir wenden wieder und halten schließlich auf der anderen Seite, wo mehrere Geschäfte sind. Der Hund ist verschwunden, aber wie es das Schicksal will, entdecken wir mehrere kleine schwarze Welpen. Einige Meter hinter uns steht die Polizei … glücklicherweise nicht wegen uns.
Während ich mit der Hexe im Auto bleibe – die von ihrem kurzen Schläfchen aufgewacht ist und nun recht munter wird – steigen Sylvia, Melanie und Uwe aus, um nach den Welpen und der Mama zu schauen. Sie fressen an einem großen Stück Fleisch, das nicht sehr appetitlich aussieht. Sie sitzen neben einer Bude und drum herum teils viele Glasscherben. Kein Ort für diese unschuldigen Fellnasen!
Die Leute sind freundlich. Sie erklären, dass es insgesamt 8 Welpen gewesen seien. 3 sind gestorben. Sie sind sehr erleichtert, als wir sagen, dass wir sie mitnehmen wollen. Nur: wir haben ein kleines Problem …. Wir haben nicht an eine Hundebox gedacht! Wie konnten wir das vergessen. Es ist nur eine zu kleine Plastikbox im Auto und auch noch einiges an Futtersäcken im Kofferraum. So bekommen wir die 6 nicht hinein.
Kurzer Hand wird umgeräumt – die Säcke nach vorne, in den Fußraum, überall wo noch Freiraum gefunden wurde. Die Plastikbox wird umfunktioniert in einen „Korb“, ausgelegt mit einer Decke … dort finden die Welpen Platz. Und daneben ist Platz für die so dankbare und liebe Hündin. Mit vielen guten und herzlichen Wünschen der Leute begleitet, machen wir uns mit den 7 Hunden auf den Weg zurück zu Andra. Oh – mein – Gott! Was wird sie sagen?
Bei Andra angekommen, müssen wir erst einmal beichten 😉 …die Hexe kann hier bleiben, muss aber zunächst eine Weile im Badezimmer vorlieb nehmen.
Die Mama, die wir nach dem Fundort – Sinaia – benennen und ihre Welpen werden erst einmal in Andras Auto umgeladen. Und von Sylvias Kofferraum dürfen wir noch die „leckeren“ Hinterlassenschaften der Welpen entfernen … es sieht wirklich extrem lecker aus, uff.
So nun geht’s weiter zum Bauplatz von Andras neuem Haus. Die Gegend und der Ausblick sind wirklich sehr schön! Andra erklärt uns wo was hinkommen soll, wo die Zwinger entstehen, ihr Welpen-Kindergarten usw. Man kann nur hoffen, dass es dort schnell voran geht!
Nach der Besichtung müssen die Hunde nun noch in die Klinik gebracht und durchgecheckt werden. Also finden wir uns einige Minuten später wieder einmal beim Tierarzt. Die Welpen werden alle gewogen, werden entwurmt und erhalten ein Spot-on für äußerliche Parasiten. Ein paar Zecken müssen entfernt werden. Auch die Mama wird gewogen und durchgecheckt. Dabei ist sie so lieb und geduldig.
Leider können die sechs nicht in der Klinik bleiben, weil zu wenig Kapazitäten vorhanden sind. Auch bei Andra ist kein Platz, aber glücklicherweise kann Pamela sind noch aufnehmen.
Da Calin für unser Abschiedsessen in ein besonderes Restaurant gehen möchte und dort bereits reserviert hat, wird es nun langsam zeitlich knapp. Wir packen also die Hunde wieder ins Auto und dann machen wir Bekanntschaft mit Andras Vergangenheit als Ralley-Fahrerin: im Eiltempo geht es ab zu Pamela – es geht im Slalom um die zahlreichen Schlaglöcher, eine Einbahnstraße auf der einen Seite hoch, die nun dummerweise von einem Kleinlaster versperrt wird. Also geht es rückwärts wieder runter und auf der anderen Seite in verkehrter Richtung bis zu Pamela. Schnell 6 Hunde ausladen, wieder rein ins Auto … inzwischen versperren wir den Weg für den Kleinlaster. Nun geht’s rückwärts ein Stück zurück, mittendrin auf engstem Raum umgedreht und endlich in korrekter Richtung wieder weiter, ab nach Hause, Calin abholen und das letzte Stück darf er fahren …. Wir sind auf jeden Fall rechtzeitig im Lokal!
Unser letzter Abend endet aber noch gemütlich und es ist auf jeden Fall sehr schade, dass die Zeit schon wieder um ist.
Auf dem Nachhauseweg halten wir noch kurz an einem Bankautomat. Hier wollen wir eigentlich etwas mehr Geld abheben, leider spuckt der Automat nur eine Maximalsumme von nicht ganz 500 Euro aus. Auch bei Uwe ist es nicht anders. Wir geben das Geld – immerhin zusammen doch fast 900 Euro – an Andra weiter und hoffen, dass damit zumindest wieder ein paar Löcher gestopft werden können.
Wir schauen noch einmal kurz bei der Hexe vorbei, die wirklich ein kluges Hundekind ist. Sie macht ihren Käfig auf, krabbelt raus, macht draußen ihr Geschäft und krabbelt wieder zurück. Wir wünschen ihr soviel Glück!
Geschafft, aber glücklich fahren wir schließlich in unsere Pension zurück.

TAG 6 – WEITERREISE NACH BUKAREST

Es ist Samstag und wir haben schon Halbzeit. Heute geht es also weiter nach Bukarest zu Raluca und Nana. Doch zuvor wollen wir noch einmal nach Sibiu zurück, denn Ralucas Fahrer hatte dort nur noch 2 Welpen gesehen, die sie auch mitgenommen haben. Wir möchten nur ungern die anderen zurück lassen und nehmen daher einen Umweg in Kauf. Zuvor fahren wir jedoch noch einmal kurz zu Andra, die uns 2 Transportkäfige ausleiht – es heißt also zwar schon Abschied nehmen, aber wir werden uns vor unserer Heimreise noch einmal wieder sehen, um die Käfige zurück zu bringen.
Alle sind startklar und los geht’s. Die Gedanken sind zunächst bei den Hunden bei Sibiu … wo ist der dritte Welpe? Werden sich die Hunde von uns überhaupt einfangen lassen? Wir haben keine Beißhandschuhe und hoffen, dass wir auch keine benötigen.
Als wir an dem Platz ankommen, sehen wir bereits den ersten Hund. Es ist Sibiu – so werden wir ihn später taufen. Wir holen Futter aus dem Auto und er kommt sofort her … auch die Welpen-Mama kommt. Sylvia und Melanie laufen nach hinten, wo wir bei unserer Anreise die Welpen gesehen hatten. Leider nichts.
Dafür sieht sie nun die andere Hündin verletzt an der Tankstelle liegen … Sylvia fährt sofort mit dem Auto zur Tankstelle rüber. Die arme Maus blutet und ist sehr schwach … ob sie von einem Auto angefahren wurde oder in eine Beißerei geraten ist? Sylvia und Melanie heben sie vorsichtig in den Käfig im Kofferraum von Sylvias Auto. Und plötzlich steht dort die Mama der Welpen. Kurzerhand wird der Rücksitz frei „geschaufelt“ und die Hündin auch ins Auto gepackt. Mit beiden Hunden an Board kommen Sylvia und Melanie also wieder hoch zum Hotel-Parkplatz, wo wir noch mit Sibiu warten.
Die Mutterhündin muss auf jeden Fall mit und kommt in den zweiten Transportkäfig in den Sprinter. Und nun haben wir wieder ein Problem: wir haben zwar eine dritte Transportbox, die aber für Sibiu zu klein ist. Was tun?
Wir müssen es wohl doch erst einmal versuchen …. Uwe hält die Box, Sylvia und ich schieben Sibiu. Er weint! Er weint vor Angst, aber bleibt trotzdem so lieb, macht keine Anstalten zu beißen. Aber die Box ist definitiv zu klein. So geht es nicht.
Also versuchen wir erst die Mutter-Hündin umzusetzen. Die Versuche schlagen fehl, sie will nicht mehr heraus. Nun bleibt nur noch die verletzte Maus … sie ist kleiner und Gott-sei-Dank klappt es, sie vorsichtig in die dritte Box zu legen. Jetzt muss Sibiu noch in den größeren Käfig … wieder schieben wir zu zweit Sibiu in den Käfig, wieder weint der arme Kerl. Aber dieses Mal geht alles gut! Jetzt noch ins Auto heben und sicher verstauen …. GESCHAFFT!
Jetzt kann es weiter gehen nach Bukarest … auf einem Weg, den wir bereits kennen, durch Sinaia. Dieses Mal machen wir nur eine kurze Raucherpause in der Nähe wo wir die kleine Hexe gefunden haben. Unterwegs beginnt es – wieder einmal – zu regnen. Bei diesem Wetter sollten sich die Straßenhunde hoffentlich einen warmen Unterschlupf gesucht haben.
Es ist noch ein gutes Stück zu fahren, als wir durch eine kleine Ortschaft kommen … und plötzlich einen kleinen braunen Hund laufen sehen. Sylvia zu mir: Welpe? … Ich: ja … wir konnten es nicht ganz genau sehen, aber klar war, dass wir hier stoppen mussten. Also schnell rechts ran – auf einer leider gut befahrenen Straße, rechts und links Läden und immerhin Parkbuchten. Wir steigen sofort aus, wechseln die Straßenseite und der Kleine läuft direkt in Sylvias Arme. Definitiv ein Welpe – allein unterwegs! Natürlich muss er mit … eine Box haben wir nicht mehr, also müssen wir wieder ein bisschen improvisieren. Wir holen uns also eins der kleineren Körbchen aus dem Sprinter und der kleine Mann kommt ins Körbchen vor mir in den Fußraum – muss ja auch mal ein Vorteil sein, selbst klein zu sein und kurze Beine zu haben. Der arme Wurm … er ist pitschnass, schlecht mir uns die Hände und schläft dann unterwegs schließlich auch relativ schnell ein. Wie lange er schon im Regen gelaufen ist … so viel Nachholbedarf.
Nun dauert es nicht mehr lange, bald ist Bukarest erreicht. Wir machen Zwischenmeldung an Raluca, damit sie weiß wie viele Hunde wir ihr mitbringen. Die verletzte Maus muss außerdem unbedingt zum Tierarzt.
Am Rande von Bukarest angekommen machen wir noch einmal Halt, um die Adressen auszutauschen, falls wir uns verlieren sollten … vor allem in dem von Sylvia gefürchteten Kreisverkehr in Bukarest. Kurze Zeit später weiß ich dann auch sehr zu schätzen, dass nicht ich hier am Lenkrad sitze!
Die erste Anlaufstelle ist der Tierarzt. Bei der Untersuchung zeigt sich nun erstmals das ganze Ausmaß der Verletzung. Sie hat zahlreiche Bisswunden, die wahrscheinlich sogar schon älter sind und sich entzündet haben und eitrig sind. Ein Muskel ist abgerissen und muss womöglich operiert werden. Die arme Maus lässt alles über sich ergehen und wir sind so froh, dass wir noch einmal zu der Stelle zurück gefahren sind, um sie zu holen.
Nach der Versorgung der Hündin fahren wir weiter zu den Zwingern, um dort die anderen drei Hunde abzugeben. Als wir dort ankommen ist es bereits dunkel geworden. Und wir müssen erst einmal warten. Wir warten … und warten … noch ein Anruf bei Raluca: der Mann ist anscheinend kurz weg gegangen, es dauert noch ein bisschen. Zeit für eine Zigarette … oder zwei … oder drei.
Schließlich kommt der Mann doch noch und öffnet uns das Tor. Wir fahren vor und hören auch schon Ralucas Hunde bellen. Heute dürfen wir auch noch nicht hinein, da die Hunde sonst noch mehr bellen könnten und sich die Nachbarn darüber beschweren. Wir wollen natürlich Raluca und Nana keine Probleme machen. Wir übergeben die Hunde und fahren dann auch schon wieder hinaus.
Mittlerweile ist es spät geworden, wir haben noch nichts gegessen. Wir fahren nun direkt zum Hotel, wieder durch die Stadt, durch die Kreisverkehre – dabei sind wir froh, dass Wochenende ist und Nacht (weniger Verkehr). Kurz nach 23 Uhr checken wir schließlich ein – das Restaurant ist natürlich geschlossen. Aber die Rezeptionistin ist uns behilflich und bestellt uns Pizza, die wir direkt aufs Zimmer bekommen.
Also geht es hoch auf die Zimmer und machen beim Essen noch unsere obligatorische Lagebesprechung. Dann heißt es auch am sechsten Tag: ab ins Bett!

TAG 7 – KASTRATIONSPROJEKT IN JILAVA MIT INTERVIEW

In der Schöpfungsgeschichte hat Gott sich am siebten Tag, dem Sonntag, ausgeruht. Auch für uns ist der siebte Tag der Sonntag … allerdings wollen wir uns keinesfalls ausruhen.
Wir treffen uns am Hoteleingang und warten auf Vasile – viele in Deutschland kennen ihn vom Transport. Nur wenige Minuten dauert es, da kommt er auch schon angefahren, um uns abzuholen. Da wir nicht alle bei Vasile mitfahren können und auch noch Spenden abzugeben haben, werden Uwe und Melanie mit dem Sprinter hinterher fahren. Sylvia und ich nehmen neben Vasile Platz.
Unser erstes Ziel ist der Wohnsitz einer Frau in Jilava, einem Ort bei Bukarest. Carmen füttert Straßenhunde auf verschiedenen Plätzen, unter anderem auch auf dem Feld, von dem Raluca und Nana auch immer wieder Hunde mitnehmen, die dort u.a. auch ausgesetzt werden.
Wir werden sehr herzlich empfangen, leider verstehen wir kaum ein Wort, da sie auch kein Englisch spricht. Auf jeden Fall werden wir bestens versorgt mit Kaffee, Trinkjoghurt (?) und sonstigen Getränken und süßen Stückchen. Vasile sammelt inzwischen einige Hunde aus der Nachbarschaft ein und dann geht es endlich zur Klinik, wo unser diesjähriges Hauptprojekt geplant ist: Kastrationen.
Auch in der Klinik erhalten wir einen super herzlichen Empfang. Wir bekommen eine „eigene“ Dolmetscherin, die uns auch das ganze Klinik-Personal kurz vorstellt und auch die Vorgehensweise und Organisation erklärt. Die Klinik ist wirklich super aufgestellt. Für das Projekt wurde eigens ein größerer Raum mit mehreren Behandlungstischen ausgestattet. Es sind mehrere Tierärzte und Assistenten beschäftigt, jeder hat eine eigene Aufgabe. Die Hunde (und Katzen) werden in den Transportkäfigen vorsediert. Dann werden die Tiere nacheinander für die OP vorbereitet – erst der Zugang gelegt und die Narkose eingeleitet. Dann geht es auf einen der drei OP-Tische, wo die Tiere kastriert werden. Danach werden sie abgelegt bis sie langsam wieder zu sich kommen.
Im Vorfeld wurden bereits die Leute aus der Umgebung eingeladen. So bestand für alle Interessierten die Möglichkeit ihre Tiere kostenfrei kastrieren zu lassen. Dies war uns ein sehr wichtiges Anliegen, da viele Menschen in Rumänien entweder nicht die eigenen Mittel hierfür haben oder als Alternative eher die Welpen entsorgen. So besteht zumindest die Chance noch mehr Menschen zur Kastration zu bewegen und dadurch die Straßenhundepopulation irgendwann zu dezimieren.
Gegen Mittag stößt schließlich auch Nana zu uns und wir haben Gelegenheit, uns auszutauschen. Kulinarisch werden wir auch hier bestens versorgt, sowohl von Nana als auch durch die Klinik.
Die Kastrationen laufen wie am Schnürchen. Am frühen Abend sind schließlich ca. 70 Hunde und 30 Katzen kastriert und wir müssen uns entscheiden, wie viele wir am nächsten Tag noch finanziell übernehmen können. Für die bisher angemeldeten Tiere möchten wir auf jeden Fall noch die Kosten tragen. Dann müssen wir leider stoppen. Insgesamt werden an diesen beiden Tagen über Animal Souls 110 Hunde und 40 Katzen kastriert. Das ist wirklich eine super Zahl und wir sind sehr stolz, dies zusammen mit Raluca, Nana und den tollen Klinikmitarbeitern erreicht zu haben. Wir nehmen uns auf jeden Fall schon jetzt vor, so ein Projekt noch öfter anzugehen.
In der Klinik geht es noch eine Weile weiter, wir fahren allerdings nun erst einmal zurück zu Carmens Haus, wo wir uns mit Raluca und Cristina Topescu treffen. Cristina ist in Rumänien sehr bekannt. Sie hatte von unserem Projekt erfahren und möchte gerne die Kastrationen im Land voran treiben und den Menschen nahe bringen, wie wichtig es ist und wie falsch es ist, das Straßenhundeproblem nur über Tötungen anzugehen.
Heute ist sie daher gekommen, um mit allen ein Interview für ihre TV-Sendung zu machen.
Hierfür fahren wir zunächst auf einen Bauernhof, dessen Verpächter die Hunde duldet und zulässt, dass sie gefüttert und medizinisch (wenn möglich) versorgt werden. Auf sein Land kommen die Hundefänger nicht, so dass die Hunde hier zumindest vor dem Einfangen geschützt sind. Allerdings sind sie wild, lassen sich selten einfangen und einige werden auch krank.
Aber jetzt geht es erst einmal ans Interview und ich bin schon ziemlich aufgeregt. Immerhin spricht Cristina ein paar Brocken Deutsch und wird mir helfen, wenn ich nicht weiter komme. Das Interview ist in Englisch … puh – ich muss mich an einen bestimmten Punkt stellen, damit der Hintergrund und das Licht passt … bitte jetzt auch nicht mehr hin- und her bewegen oder drehen … und Konzentration … es geht los:
Ich soll mich erst einmal vorstellen und darf dann erklären, warum wir hier sind. Cristina möchte wissen, wie die Meinung der Deutschen zur Situation in Rumänien ist und was wir denken, welcher Weg der bessere ist. Am Ende darf ich noch ein Statement (in Deutsch) an den rumänischen Präsidenten Herrn Johannis richten.
Auch Uwe soll noch ein paar Worte sagen – er repräsentiert ja unter anderem auch die deutschen Adoptanten.
Als nächstes sind Raluca und Nana mit dem Interview an der Reihe und schließlich kommt auch noch der Besitzer des Grundstücks hinzu. Im Anschluss wird Cristina auch noch zur Klinik fahren.
Bevor wir weiter fahren, möchten wir sehen, ob wir ein paar der Hunde mitnehmen können. Unter anderem ist dort eine Hündin mit Hautproblemen, die Raluca gerne mitnehmen möchte. Da sie sehr große Angst hat, ist das leider kein so leichtes Unterfangen. Als der Bauer mit anpackt, wird er heftig von ihr gebissen. Dennoch schaffen es die Männer, die Hündin in eine Transportbox zu bekommen. Weiter vorn in Richtung der Hauptstraße sitzt noch ein Rüde vor einem Haus, den Raluca kurzerhand ebenfalls mitnimmt.
Dann fahren wir einige Plätze an, wo wir ebenfalls Futter hinterlassen. Die Hunde an diesen Stellen sind leider großteils sehr scheu und trauen den Menschen nicht so recht über den Weg … aber wer will es ihnen verübeln?
Wir gehen ein Stück zu Fuß weiter und teilen uns etwas auf, da an mehreren Stellen Hunde auftauchen, denen wir gerne Futter zurücklassen möchten. Ein kleiner Hund kommt schließlich direkt auf Raluca zugelaufen, kein Chip, kein Halsband, ungepflegt – viele werden so auf die Straße gesetzt und ihrem Schicksal überlassen. Bevor er überfahren wird, nehmen wir ihn lieber mit.
Auf einmal sehen wir wie sich einige Zigeuner zusammen rotten, die unser Tun hier nicht unbedingt gut heißen. Sie verstehen es nicht, dass wir helfen wollen und dass jeder kranke Hund auch für den Menschen ein Risiko bedeutet.
Unser Weg zurück zu den Autos fällt jedenfalls deutlich schneller aus. Wir sehen besser zu, dass wir hier weg kommen, wobei Melanie durchaus kampfbereit die Taschenlampe als Schlagstock schon in Griffnähe hat. Wahrscheinlich werden wir gerade alle verflucht ….
Nachdem alle wieder im Auto sitzen, suchen wir also lieber das Weite.
Das war für heute genug Action und wir fahren schließlich zurück zu Carmens Haus. Hier laden wir auch noch einige Säcke Futter aus, da sie öfter auch auf die Felder fährt, um dort die Hunde zu füttern. Danach sind wir bei ihr zum Abendessen eingeladen. Eigentlich haben wir schon in der Klinik ausreichend gegessen, aber es wäre unhöflich, das auszuschlagen, also gehen wir natürlich noch mit. Allerdings hat Carmen offenbar für eine ganze Kompanie gekocht. Das schaffen wir niemals! Das Stichwort „Schnaps“ beschert jedem von uns mindestens 1/8 l Klaren – irgendwie sind hier die Verhältnisse umgekehrt: Kaffee gibt’s in Schnapsmenge (Espresso-Glas). Aber ein „Aufräumer“ (für den Magen) ist vielleicht nicht verkehrt.
Es wird Zeit, zurück ins Hotel zu fahren, denn morgen geht es noch einmal mit Kastrationen weiter und wir möchten auch endlich die Hunde bei Raluca alle kennen lernen. Vor allem wollen wir auch sehen, wie es unserer geretteten Hundefamilie und dem kleinen Paul geht.
Natürlich setzen wir uns trotzdem im Hotel noch einmal zusammen und lassen die Erlebnisse noch einmal Revue passieren.

TAG 8 – KASTRATIONSPROJEKT TAG2 UND RALUCAS UND NANAS ZWINGER

Am Tag Nr. 8 führt und unser erster Weg wieder in die Klinik. Und beim morgendlichen Berufsverkehr sind wir froh, nicht selbst fahren zu müssen … naja, zumindest wir Mädels. Aber Uwe hat die Situation bestens im Griff und so kommen wir alle wieder ohne Zwischenfälle bei der Klinik an.
Damit die Hunde zum Aufwachen etwas bequemer liegen, holen wir heute erst einmal einige der Körbe aus dem Sprinter und legen die operierten Hunde hinein.
Während im großen Raum die Kastrationen weiter laufen, kommen im eigentlichen Behandlungszimmer der Klinik nun 3 der Hunde zur Untersuchung, die gestern von dem Bauernhof mitgenommen wurden. Wir werden hinzu gerufen und dürfen bei den Untersuchungen dabei sein. Unter den dreien ist auch das schwarze Hundemädchen mit den Hautproblemen. Sie hat so viel Angst! Wenn man ihr nur erklären könnte, dass wir ihr nur helfen wollen. Die arme Maus hat Demodex und wird auf jeden Fall weiter behandelt.
Ich bekomme auch den Laborraum gezeigt. Obwohl es eine sehr kleine Klinik ist, stehen mehrere Laborgeräte bereit, womit innerhalb weniger Minuten die Ergebnisse vorliegen.
So, nun wollen wir aber langsam los, um Ralucas Zwinger zu sehen. Doch vorher soll noch die Rechnung fertig gemacht werden. Leider gibt’s technische Probleme, die uns aufhalten. Nachdem aber auch das geklärt ist, verabschieden wir uns erst einmal von allen Mitarbeitern der Tierklinik. Auch von Deutschland aus geht unser Dank noch einmal an das Klinikteam, die ganz tolle Arbeit geleistet haben. Wir sind dabei mehr als 4000 Euro ärmer geworden, aber unheimlich reich an Erfahrung, Motivation und dem Wunsch, auch in Zukunft möglichst vielen Tieren zu helfen.
Am Nachmittag kommen wir schließlich bei den Zwingern an und sehen endlich auch die Hunde. Wir bei Andra, sehen wir nun auch hier die Hunde live, die wir sonst nur von den Bildern kennen. Nur Sylvia kennt von ihren früheren Besuchen die Hunde, die schon länger dort warten.
Wir warten noch auf den Mann, der die Hunde betreut und schließlich dürfen wir rein – einige Hunde schauen skeptisch, andere kommen neugierig zu uns. Jackie hatte uns schon am Zaun begrüßt und genießt nun unsere Streicheleinheiten.
Die Hunde dürfen hier zumindest tagsüber frei laufen, soweit sie sich untereinander verstehen. Es ist eben ein richtiges Rudel, zu welchem nicht nur eine gewisse Rangordnung gehört, sondern das den Hunden auch Sicherheit bietet. Diese Situation sollte sich jeder vor Augen halten, der einen ehemaligen Straßenhund bei sich aufnimmt.
Was uns sehr berührt ist der Umstand, dass unsere geretteten Hunde Sibiu und Soraya zu ihren Welpen durften und wir somit eine richtige Familienzusammenführung geschafft haben. Soraya ist eine so freundliche Mama und Sibiu ein stolzer Papa.
Etwas weiter in einem anderen Zwinger finden wir auch unseren kleinen braunen Welpen – Paul – wieder. Er freut sich so sehr und möchte auch gern nach draußen, aber noch muss er warten. Bei Paul sitzt auch Lila, die von Melanie und Uwe direkt ins Herz geschlossen wird. Wir sehen schon wie es in den Köpfen rattert … „mitnehmen …. mitnehmen …. mitnehmen …“ – Aber natürlich muss alles geplant sein.
Zuerst einmal geht es weiter zu den hinteren Zwingern. Dort kann sich Bonus gar nicht mehr einkriegen, er rennt herum wie ein verrückter. Auch er ist einer, der schon seit dem Welpenalter wartet – ebenso wie z.B. Bobsy, Randy, Gonsi und einige andere. So tolle Hunde, nur leider wird es auch immer schwerer sie an gute Plätze zu vermitteln, da sie nur dieses Leben kennen. Wir hoffen so sehr, dass auch sie bald ein schönes zuhause haben.
Wir gehen nochmal nach vorne in den anderen Bereich und sehen den Hunden beim Spielen zu, streicheln die, die gestreichelt werden wollen und merken gar nicht wie die Zeit schon wieder vergeht.
Auch hier lassen wir natürlich Spenden da und ehe wir uns versehen, wird es schon dunkel – Zeit auch von den Hunden hier Abschied zu nehmen.
Sicherheitshalber nehmen wir noch zwei Transportboxen von Raluca mit – man weiß ja nie – und packen auch die Boxen von Andra gleich ein, die wir vor unserer Heimreise noch zurückbringen.
Dann geht es zurück zum Hotel, wo wir noch etwas zu Abend essen und gemeinsam beschließen, bereits morgen von hier abzureisen, um uns für die Heimreise, einige Stunden zu ersparen. Vorab geben wir Andra also Bescheid, die bei Giulias Pension noch einmal eine Nacht für uns reserviert.
So geht also der achte Tag zu Ende und wir gehen mit gemischten Gefühlen ins Bett, da wir noch keine Vorstellung haben, ob und wie wir morgen Bragadiru verkraften werden.

TAG 9 – BESUCH IM STÄDTISCHEN SHELTER BRAGADIRU

Der neunte Tag und letzte Tag unserer Reise ist angebrochen. Vasile kommt uns wieder abholen und dann geht es direkt zum städtischen Tierheim nach Bragadiru (eines der 3 Public Shelters von Bucarest). Wir treffen uns dort mit Nana, die mit dem Leiter des Tierheims Kontakt aufgebaut und es geschafft hat, dass wir nicht nur alle gemeinsam (anstatt einzeln) in das Shelter hinein dürfen, sondern auch offiziell fotografieren dürfen. Nana geht vorher noch einmal allein hinein, um den Besuch abzusprechen und wir warten noch kurz vor dem Tor und verschaffen uns einen ersten Eindruck.
Es laufen draußen Hunde herum, was uns zunächst wundert. Nana erklärt später, dass diese Hunde zum Shelter gehören und nicht eingefangen werden.
Dann ist es soweit …. Wir können herein kommen. Uwe möchte zunächst draußen bleiben und wartet mit Vasile vor dem Tor.
Wir Mädels gehen mit einem Tierheim-Mitarbeiter und Nana zusammen zu den Hunden. Gleich in erster Reihe ein kleiner weißer Hund (Idefix). Der Mitarbeiter erklärt, dass dieser ca. 9 Jahre alte Hund von seinem Besitzer abgegeben wurde. Unvorstellbar für uns wie man einen langjährigen Begleiter hierher bringen kann, in dem Wissen, dass er dort sterben wird, wenn sich keine Adoptanten finden. Er ist der erste auf unserer Liste, den wir mitnehmen wollen.
Wir gehen weiter, Sylvia bleibt mit Nana bei dem Mitarbeiter um möglichst viel über die Hunde zu erfahren. Wir bekommen vor allem die gezeigt, die schon länger warten und bei denen eine größere Chance besteht, dass sie gesund sind. Melanie geht die Reihe mit der Cam ab während ich so viel Fotos wie möglich mache. Am liebsten möchte man alle einpacken und ein Blick in die Augen der Tiere, die unbedingt heraus wollen, gestreichelt werden wollen … wir kämpfen mit den Tränen.
Es sind leider auch sehr viele Welpen im Shelter, die nur sehr kleine Überlebenschancen haben, da sie anfälliger für Krankheiten sind. Da die Gefahr zu groß ist, dass sie Parvo oder – noch schlimmer – Staupe haben, müssen wir die Welpen zurück lassen – die Gefahr für den Bestand bei Raluca ist zu groß.
Das Tierheim selbst ist sauber und wird – soweit man das überhaupt in so kurzer Zeit beurteilen kann – gut geführt. Es befinden sich auch eigene Hunde hier, die gefüttert und behandelt werden. Der Futterzustand der meisten Hunde ist gut. Einige haben leider schon Krankheitsanzeichen. Die schlimmeren Fälle bekommen wir allerdings nicht gezeigt …. was in diesem Moment für uns vielleicht auch gut ist. Allein zu wissen, dass wir nur wenige Hunde mitnehmen können, ist schwer genug.
Laut Tierheimleitung wird hier in Bragadiru nicht alle 2 Wochen getötet. Man versucht es zu vermeiden bis kein Platz mehr ist für Neuzugänge. Man muss leider aber eben sagen, dass wohl die meisten Hunde aufgrund von Krankheiten wie Staupe dort sterben. Für solche Hunde wäre vielleicht die Tötung tatsächlich der bessere, leichtere Weg. Man kann nur hoffen, dass es möglichst viele überleben und schaffen Adoptanten zu finden.
Immerhin dürfen heute 7 Hunde mit uns das Shelter verlassen. Zuvor werden sie kastriert. Wir warten also noch eine Weile vor dem Bürogebäude. Hier kommt dann auch Uwe wieder hinzu. Da es bei 7 Hunden aber eine Weile dauern wird, entschließen wir uns dann doch wieder raus zu gehen, wo wir unsere Eindrücke austauschen.
Die Kastrationen der Hunde zieht sich hin und dauert eine gefühlte Ewigkeit. Doch kommen unsere Hunde endlich heraus. Die Männer aus dem Shelter und Vasile setzen die Hunde um in die Transportboxen von Raluca und heben sie schließlich in Vasiles Sprinter.
Nun sollen alle Hunde als erstes in die Klinik gebracht und dort noch einmal untersucht werden. Da Nana noch mitkommt, steigt Sylvia zu Melanie und Uwe in den Sprinter und Nana und ich fahren mit Vasile. Auf der Fahrt zur Klinik erzählt Nana von der Idee der Tierheimleitung, ob es möglich wäre Geld für Impfungen zu sammeln, um neu ankommende Hunde gegen Staupe und Parvo impfen lassen zu können. Da die Hunde bei vollem Shelter ohnehin getötet werden, macht es für die Stadt keinen Sinn Kosten für Impfungen zu tragen.
Andererseits besteht eine höhere Chance, dass die Hunde gesund bleiben und durch Adoption vor dem Tod gerettet werden könnten.
Der Gedanke ist also positiv zu sehen, zudem der Plan so aussieht, dass wir Spender finden, damit Raluca und Nana die Impfstoffe kaufen könnten. Kommen neue Hunde in Bragadiru an, würden Raluca oder Nana informiert und könnten die Hunde selbst impfen.
Kurz vor Ankunft bei der Klinik, muss Nana uns schon wieder verlassen. Es wartet noch Arbeit auf sie, so dass sie per Taxi weiter fährt.
Bei der Klinik wartet dafür bereits Raluca auf unsere Ankunft. Wir bringen die Hunde also erst einmal in die Räumlichkeiten und der Tierarzt beginnt mit den ersten Untersuchungen. 4 Mädels und 3 Jungs kamen mit. Bei allen wird auf Staupe und Parvo getestet. Glücklicherweise sind alle 7 frei von Staupe. Nur eins der Mädels hat leider Parvo und wird sofort entsprechend versorgt.
Inzwischen ist schon wieder später Nachmittag. Vor unserer Rückfahrt nach Brasov ist aber noch ein Abschiedsessen eingeplant. Wir fahren mit Raluca direkt zum Restaurant. Auch Nana ist wieder hier. Und kurz nach uns treffen auch Vasile und Ralucas Freund ein.
Raluca und Nana bestellen für alle die Vorspeisen – verschiedene, für Rumänien typische Vorspeisen. Danach gibt’s noch Suppe … leider alles so lecker, dass nun eigentlich keine Hauptspeise mehr hinein passt, geschweige denn ein Nachtisch. Aufgrund der Überredungskünste von Nana, versuch ich es dann doch noch einmal mit Fisch, die anderen teilen sich den Nachtisch.
Am Ende drückt schließlich nicht nur der Bauch, sondern auch die Zeit zu gehen. Es ist so schade, die Zeit vergeht einfach zu schnell.
Aber bevor Raluca uns zum Hotel fährt, hat Vasile noch einen Auftrag: die kleine Lila muss von den Zwingern abgeholt werden. Die süße Maus darf sofort also Pflegekind von Melanie und Uwe auf die Reise gehen.
Im Hotel zurück packen wir zügig unsere Sachen, checken aus und machen uns sofort auf den Weg nach Brasov. Es ist inzwischen auch schon dunkel geworden und leider sehen wir nun auch viele überfahrene Tiere. Das, was vermutlich mal ein mittelgroßer Hund war, liegt quasi zerfetzt auf der Fahrbahn. Nachdem wir doch einigen Hunden helfen konnten, ist dies eine der traurigen Erfahrungen, die wir hier machen.
Nach Mitternacht kommen wir schließlich in der Pension an. Giulia muss extra wegen uns aufstehen. Sorry, dass wir so spät kommen und ganz herzlichen Dank, dass wir noch einmal kommen durften und uns einige Stunden Fahrzeit für die morgige Heimreise einsparen können!

TAG 10 und 11 – ABSCHIED UND HEIMREISE

Der nächste Tag beginnt mit Sonnenschein. Es ist unser letztes Frühstück, der letzte Tag in Rumänien. Noch einmal verabschieden wir uns von unserer tollen Gastwirtin Giulia und fahren dann schließlich ein letztes Mal zu Andra, um ihr die Transportboxen zurück zu bringen, die wir für den Transport der Hunde von Sibiu nach Bukarest ausgeliehen haben.
Der Abschied von Andra fällt so schwer. Wie gerne wären wir noch länger hier geblieben und hätten ihr noch besser geholfen. Aber wir sind uns sicher, dass wir wieder kommen.

Und dann ist es „Zeit zu gehen“.

Die lange Heimreise beginnt und sie scheint wirklich endlos lange. Spät um 21 Uhr verlassen wir Rumänien. Nach Mitternacht sind wir kurz vor der österreichischen Grenze, wo wir eine längere Rast einlegen und versuchen für ca. 6 Stunden Schlaf zu bekommen. Morgens um 8 Uhr geht es nach einem schnellen Kaffee wieder weiter, mit mehreren Pausen durch Österreich, noch einmal Tanken, Mittagessen … und schließlich hat uns Deutschland am 12. Mai, 14 Uhr wieder. Nach weiteren 6 Stunden kommen wir an unserem Startpunkt an.

Unsere Reise ist zu Ende!

 

Wir haben in diesen wenigen Tagen und den Wochen zuvor so viel erreicht! Wir danken allen, die uns dabei unterstützt haben. Ihr ward alle in Gedanken mit uns dabei und wir versprechen, dass diese Rumänienreise nicht die letzte gewesen sein wird.

Danke an alle!

 

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